GRUBER Logistics und Scania: Wasserstoff-Pioniere in Italien mit dem ersten Lkw im Praxistest
Die Partnerschaft zwischen GRUBER und Scania ist Teil des europäischen Projekts ZEFES und stellt den ersten Praxistest eines Wasserstoff-Schwerlasters in Italien dar. Scania setzt auf Elektrifizierung, engagiert sich jedoch kontinuierlich dafür, alle Formen des nachhaltigen Transports eingehend zu erforschen.
Die Entwicklung von schweren Wasserstoff-Nutzfahrzeugen befindet sich in einer frühen Phase und konzentriert sich derzeit vor allem auf europaweite Pilotprojekte. In diesem Rahmen trägt die Kooperation zwischen GRUBER Logistics und Scania dazu bei, Italien unter den führenden Ländern bei der Entwicklung und Erprobung von Wasserstofflösungen für den Schwerlastverkehr zu positionieren. Ab Mai 2026 wird ein Scania 40 R mit Brennstoffzellentechnologie gemeinsam mit dem Südtiroler Logistikdienstleister in eine Testphase unter Realbedingungen starten.
Die Initiative ist Teil des europäischen Projekts ZEFES, dessen Ziel es ist, die Dekarbonisierung des Güterverkehrs in Europa durch Praxistests mit batterieelektrischen (BEV) und brennstoffzellenbasierten (FCEV) schweren Nutzfahrzeugen zu beschleunigen.
„Es ist wichtig zu betonen, dass dieses Fahrzeug, obwohl es sich noch nicht in Serienproduktion befindet, von GRUBER Logistics für reale Einsätze genutzt wird. Dank der Zusammenarbeit mit Branchenführern wie Nestlé, P&G, Verallia Italia, ABB und Birra Forst werden wir reale Fracht transportieren. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Einführung neuer Technologien zu beschleunigen und von Beginn an zu verstehen, welchen potenziellen Herausforderungen ein Logistikdienstleister bei deren Einsatz begegnet“, erklärt Martin Gruber, CEO von GRUBER Logistics.
Dieser Test ist Teil der umfassenderen Strategie Scania Pilot Partner, Technologien und Architekturen in Zusammenarbeit mit ausgewählten Kunden zu testen, um praxisnahes Know-how für den Übergang zu emissionsarmen oder emissionsfreien Transporten aufzubauen.
Das FCEV-Fahrzeug: Eine BEV-Sattelzugmaschine mit H2-Tanks für mehr Reichweite
Dank des modularen Ansatzes basiert die dreiachsige Sattelzugmaschine auf der BEV-Plattform, in die Wasserstofftanks und ein Brennstoffzellensystem integriert wurden. Dabei ist zu betonen, dass der Wasserstoff nicht verbrannt wird: Er dient als Energieträger und wird über eine Brennstoffzelle in Strom umgewandelt. Ziel ist es, Betriebsleistung, Reichweite und Betankungsmodalitäten unter Realbedingungen zu evaluieren.
Im Vergleich zu einem „reinen“ BEV weist ein FCEV (Fuel Cell Electric Vehicle) einige hervorzuhebende Vorteile und Besonderheiten auf:
- Höhere Reichweite: Das Brennstoffzellensystem ermöglicht im Allgemeinen größere Distanzen im Vergleich zu BEV-Konfigurationen mit vergleichbaren Batteriepaketen;
- Kurze Betankungszeiten: Die Betankung mit Wasserstoff kann in 20 Minuten erfolgen, was deutlich schneller ist als Schnellladezeiten von Batterien;
- Infrastruktur und Delokalisierung der Energie: Das Wasserstoff-Verteilungs- und Betankungsnetzwerk lässt sich für bestimmte logistische Abläufe einfacher dezentral aufbauen und verwalten, was den Einsatz in komplexen und dezentralen Anwendungsbereichen erleichtert.


„Unter Nutzung des für Scania typischen modularen Ansatzes haben wir die BEV-Plattform eingesetzt und sie mit der Brennstoffzellentechnologie kombiniert. Es handelt sich hierbei nicht um ein in seiner finalen Konfiguration optimiertes Fahrzeug, sondern um eine Übergangslösung, die es uns ermöglicht, die Entwicklungen des elektrischen Antriebsstrangs zu nutzen und das Verhalten des Brennstoffzellensystems unter realen Bedingungen zu bewerten. Der nächste Schritt wird darin bestehen, das Layout zu optimieren, um den Platzbedarf und die derzeit überdimensionierten Batteriepakete zu reduzieren“, erklärt Simone Martinelli, Sales Manager E-mobility, Urban & Construction Sales Scania Italia.
Technisches Datenblatt:
Scania 40R FCEV
Reichweite: Bis zu 1.000 km (690 km mit H2 + 310 km über Batterie)
Batteriekapazität: 416 kWh (installiert), 345 kWh (nutzbar)
Laden: CCS2 500 A (350 kW)
Wasserstoffkapazität: 56 kg (4 Tanks) bei 700 bar
Betankungszeit: 20 Minuten (700 bar vorgekühlt, High-Flow)
Brennstoffzellenleistung: 300 kW
Leistung E-Maschine: 400 kW
Verbrauch: 0,1 kg/km; 1,1 kWh/km
Länge: Fahrzeug 7,35 m; Fahrzeug + Anhänger 17,4 m
Fahrzeuggewicht: 13,8 Tonnen
Zulässiges Gesamtgewicht: 44 Tonnen
Nutzlast: 23 Tonnen
Neben dem Einsatz auf der Straße sind Betankungstests, statische und dynamische Vorführungen sowie die Teilnahme an Fachmessen und Fachkonferenzen geplant, um Ergebnisse und Best Practices mit der Branche zu teilen.
Der erste Termin ist auf der Transpotec 2026 geplant, wo Scania und GRUBER Logistics die Initiative im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung am Donnerstag, den 14. Mai um 12:00 Uhr (Halle 22, Scania-Stand) näher vorstellen werden. Während der gesamten Messedauer können Besucher das Fahrzeug live im Außenbereich im Rahmen einer statischen Ausstellung besichtigen. Darüber hinaus wird das Fahrzeug den Besuchern des Innovation Summit von GRUBER Logistics am 27. Mai im Safety Park in Bozen und am 28. Mai im NOI Techpark, ebenfalls in Bozen, präsentiert.
