Italien autorisiert eCMR – GRUBER Logistics führt erfolgreichen Test durch
Der 26. September 2024 markiert das offizielle Datum des Inkrafttretens des sogenannten „Zusatzprotokolls über den elektronischen Frachtbrief (e-CMR)“ in Italien. Ein von der Transportbranche lang erwarteter Schritt, da diese bis heute insbesondere im internationalen Verkehr stark an papiergebundene Dokumente gebunden ist. Über die rechtlichen Aspekte hinaus sind jedoch zahlreiche Rahmenbedingungen erforderlich, damit dieses Zusatzprotokoll zum CMR-Übereinkommen, das die Nutzung des elektronischen Frachtbriefs (e-CMR) einführt, tatsächlich zu einem grundlegenden Wandel in den Branchenabläufen führen kann.
Vor diesem Hintergrund ist es daher wichtig, die Erfahrungen der Vorreiter zu betrachten, die diese neuen Technologien als Erste erprobt haben. Die Hafennetzbehörde der östlichen Adria (Autorità di Sistema Portuale del Mare Adriatico Orientale), insbesondere der Hafen von Triest sowie die italienische Zoll- und Monopolagentur (ADM), nehmen bei der Einführung dieses Datenaustausch- und Kommunikationssystems bereits heute eine Vorreiterrolle ein, nachdem sie im Laufe der Jahre mehrere Pilotprojekte durchgeführt haben – das jüngste erst vor wenigen Tagen. Am 23. September 2024 wurde ein konkreter Praxistest zum Einsatz des e-CMR bei einem Transport pharmazeutischer Produkte erfolgreich abgeschlossen.
Die Sendung startete am Lager von GRUBER Logistics in Padua, von wo aus ein Lkw des Südtiroler Unternehmens die Arzneimittel zum Hafen von Triest transportierte, von wo sie mit Ziel Türkei verschifft wurden. Durch die Anwendung des e-CMR-Protokolls konnte die Interoperabilität zwischen den IT-Systemen aller beteiligten Akteure (Lager, Frachtführer, Hafenbehörde, Zollagentur und Finanzpolizei/Guardia di Finanza) gewährleistet und die Zufahrt zum Hafentor ohne vorherige Ausfuhrzollanmeldung ermöglicht werden.
Hierfür wurde der Blockchain-basierte e-CMR von ACCUDIRE genutzt. Nach der Validierung durch AIDA, das Zentralsystem der ADM, mittels Vergabe einer eindeutigen Transaktions-ID (IUT – Identificativo Univoco Transazione) wurde dieser an das Port Community System des Hafens von Triest (Sinfomar, entwickelt von Info.Era Srl) und anschließend an das von ADM und Guardia di Finanza betriebene Port Tracking übermittelt: Alle beteiligten Akteure, sowohl öffentliche Stellen als auch Privatunternehmen, erhielten in Echtzeit zertifizierte Daten zur Sendung und zu deren Status. Dieser Pilottest demonstrierte die Effizienz der Systeminteroperabilität sowie das enorme Potenzial des e-CMR zur Optimierung des Logistik- und Transportsektors.


Der Erfolg dieses Tests wurde durch die hervorragende Koordination zwischen verschiedenen Akteuren ermöglicht: der Hafennetzbehörde der östlichen Adria, dem Team von GRUBER Logistics in Triest, Info.Era Srl, Accudire Srl, der Guardia di Finanza, der Zollagentur und Sogei.
Vittorio Torbianelli, außerordentlicher Kommissar der Hafennetzbehörde der östlichen Adria, betont: „Der erste elektronische CMR ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung einer vollständigen Entmaterialisierung der Dokumente in den Logistikströmen der Häfen der AdSP MAO – mit den Vorteilen höherer Durchlaufgeschwindigkeiten, gesteigerter Nachhaltigkeit und geringerer Kosten für die Nutzer. Neue Technologien erfolgreich zu erproben und flächendeckend einzuführen, hängt jedoch maßgeblich von der Fähigkeit der beteiligten Institutionen und Akteure ab, sich zu koordinieren und eine gemeinsame Vision zu teilen.“
Martin Gruber, CEO von GRUBER Logistics, der sich bereits seit einigen Jahren in Pilotprojekten rund um den elektronischen CMR engagiert, unterstreicht die Bedeutung eines systemischen Ansatzes sowie die Rolle des e-CMR als Wegbereiter für den Wandel: „Der Hafen von Triest ist in dieser Hinsicht bereits sehr fortschrittlich. Wir glauben jedoch, dass die Einführung des elektronischen CMR paradoxerweise dort noch größere Vorteile bieten könnte, wo die Digitalisierung weniger weit fortgeschritten ist. Beispielsweise könnte er in digital weniger entwickelten Häfen als Avisierung dienen, logistische Abläufe erleichtern und die Rückverfolgbarkeit der Waren verbessern.“ Zudem betont Martin Gruber: „Unsere Branche ist im Allgemeinen weder besonders resilient noch sofort bereit für Innovationen dieser Art. Um eine tatsächliche Verbreitung des elektronischen CMR zu gewährleisten, muss ein Zeitpunkt kommen, an dem er verpflichtend wird. Nur so lässt sich ein einheitlicher Standard schaffen und die verschiedenen Akteure auf dessen Nutzung einschwören.“
Abramo Vincenzi, CEO von ACCUDIRE, hält fest: „Die enge öffentlich-private Zusammenarbeit und insbesondere das Engagement der Zollagentur sowie der Hafennetzbehörde waren in der Vergangenheit und sind nach wie vor ein entscheidender Faktor für Innovations- und Transformationsprojekte im gesamten Export- und internationalen Speditionssektor, wie etwa beim Vorantreiben des e-CMR.“
