Mangel an Ladeinfrastruktur für E-Lkw? Logistikunternehmen werden aktiv
Liest man die Schlagzeilen der Zeitungen, könnte man meinen, der schwere Güterkraftverkehr mit Elektrofahrzeugen sei bereits Realität: Ladestationen an jeder Hauptverkehrsachse, digitale Karten, ultraschnelles Laden und Begeisterung über die Fahrzeugleistung. Doch die Realität sieht ganz anders aus: Das Laden eines Lkw ist nicht vergleichbar mit dem Laden eines Elektroautos. Es bedarf weit mehr als einer einfachen Steckdose und einer Karte, die Ladesäulen entlang der Route anzeigt.
Tatsächlich ist der Großteil der bestehenden Ladeinfrastruktur für Lkw bislang nicht nutzbar: Es fehlt an adäquaten Rangier- und Parkflächen, die verfügbare elektrische Leistung ist unzureichend und häufig entsprechen die tatsächlichen Ladeleistungen nicht den Angaben der Betreiber. Eine mit 350 kW ausgewiesene Infrastruktur könnte es zwar ermöglichen, ein schweres Nutzfahrzeug in unter einer Stunde aufzuladen; in der Praxis ist die Ladegeschwindigkeit jedoch oft deutlich geringer – insbesondere wenn mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden. Während dies für Autofahrer lediglich eine Unannehmlichkeit darstellt, kann es in der Logistik ganze Tourenpläne gefährden.
Um dieser Herausforderung zu begegnen, ergreifen einige Logistikdienstleister selbst die Initiative, um den Mangel an geeigneter, speziell auf den Güterverkehr ausgerichteter Ladeinfrastruktur zu beheben. GRUBER Logistics gehört dazu und hat in Deutschland bereits zwei Ladeinfrastrukturen für schwere Elektro-Nutzfahrzeuge in Betrieb genommen: eine in Staufenberg und eine weitere in Köln, die beide seit wenigen Tagen betriebsbereit sind. Hierbei handelt es sich um strategische Standorte zur Unterstützung des Einsatzes von 44-Tonnen-E-Lkw, was einen ersten konkreten Schritt zur Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs darstellt.
Neben diesen Initiativen vor Ort ist GRUBER Logistics auch Partner des europäischen Projekts FLEXMCS – Flexible Megawatt Charging Systems, das auf die Entwicklung von Prototypen von Hochleistungsladesystemen (Megawatt-Charger) abzielt, die speziell auf die Anforderungen des Güterverkehrs zugeschnitten sind. Das Projekt zielt nicht nur darauf ab, die Leistungssteigerung und Ladegeschwindigkeit zu testen, sondern auch die räumliche Konfiguration der Infrastruktur neu zu definieren, um sie mit den betrieblichen Anforderungen der Straßenlogistik kompatibel zu machen.
FLEXMCS, koordiniert von der Vrije Universiteit Brussel, geht diese Probleme an, indem es ein neuartiges Lademodell vorschlägt, das von Beginn an für den Schwerlasttransport konzipiert ist. Das Projekt bindet bedeutende Industrieakteure wie DAF, IVECO, Bosch, Alpitronic Energy sowie GRUBER Logistics ein und wird von der Europäischen Kommission mit insgesamt 8,76 Millionen Euro gefördert.
Das Ziel ist ehrgeizig: die Schaffung interoperabler Hubs auf Basis offener Softwarearchitekturen und intelligenter Planungsmodule zur Optimierung der Energienutzung und der Ladezeiten. Die Megawatt-Charger (MCS) mit einer Leistung von bis zu 1–1,2 MWh werden in der Lage sein, Lkw mit 600-kWh-Batterien in etwa 40–45 Minuten aufzuladen – unter Berücksichtigung der Drosselung, die in den Anfangs- und Endphasen des Ladevorgangs auftritt (0 %–20 % und 80 %–100 %).
Die Botschaft ist eindeutig: Um die Energiewende im Schwerlastverkehr wirklich realisierbar zu machen, braucht es eine neue Infrastruktur – konzipiert für Lkw, nicht für Pkw. Und wenn der Markt diese nicht bereitstellt, baut die Logistikbranche sie eben selbst.
Dieser Bottom-up-Ansatz steht im Einklang mit den weitreichenden Innovationsaktivitäten von ALICE – Alliance for Logistics Innovation through Collaboration in Europe, einem Partner des Projekts. Als führende europäische Plattform, die Industrie, Forschung und politische Entscheidungsträger zusammenbringt, spielt ALICE eine Schlüsselrolle bei der Förderung der Zusammenarbeit und der Beschleunigung der Umsetzung nachhaltiger und intelligenter Logistiklösungen in ganz Europa.
Diese Infrastrukturinitiativen sind Teil eines umfassenderen Plans zur Flottenelektrifizierung: GRUBER Logistics hat in Deutschland und Italien bereits mehrere Elektrofahrzeuge in Betrieb genommen, mit dem Ziel, den Güterverkehr nicht nur emissionsarm, sondern vollständig emissionsfrei zu gestalten.
