Praxistests im Hamburger Stadtverkehr mit automatisierten Lkw

Im Frühjahr dieses Jahres wurden im Rahmen des europäischen Projekts MODI zwei bedeutende Praxistests zur Automatisierung des Schwerlastverkehrs im Hamburger Stadt- und Autobahnverkehr erfolgreich abgeschlossen. Im Mai erprobten die Projektpartner – GRUBER Logistics, DAF Trucks, Volvo Trucks, New Mobility Solutions und die BAST (Bundesanstalt für Straßenwesen) – mit Unterstützung der Freien und Hansestadt Hamburg zwei zentrale Anwendungsfälle: das Einfädeln autonomer Lkw in den Autobahnverkehr sowie die zuverlässige Erkennung besonders schutzbedürftiger Verkehrsteilnehmer im städtischen Umfeld.

MODI ist ein europäisches Innovationsprojekt, an dem 36 Partner aus Industrie und Forschung beteiligt sind. Mit einem Gesamtbudget von rund 28 Millionen Euro zielt die Initiative darauf ab, die Effizienz des autonomen Schwerlasttransports entlang eines realen Logistikkorridors über fünf europäische Länder hinweg zu demonstrieren. Neben technologischen Aspekten widmet das Projekt der Sicherheit bei der Integration in bestehende Infrastrukturen, Umweltfragen und regulatorischen Rahmenbedingungen besondere Aufmerksamkeit.

„Der zunehmende Fahrermangel zwingt uns, die gesamte Branche neu zu denken. Es ist entscheidend, diese Fachkräfte dort einzusetzen, wo ihr Beitrag wirklich strategisch ist – für einfachere und repetitive Aufgaben bietet uns die Technologie bereits tragfähige Lösungen. Autonome Fahrfunktionen und infrastrukturelle Technologien erhöhen die Sicherheit nicht nur für unsere Fahrer, sondern für alle Verkehrsteilnehmer, einschließlich Fußgängern“, kommentiert Martin Gruber, CEO von GRUBER Logistics, und bringt damit die Perspektive des Logistikpartners in das Projekt ein.

Dank der engen Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und den Verkehrsverantwortlichen der Stadt Hamburg wurden die Tests direkt im öffentlichen Raum und unter realen Verkehrsbedingungen durchgeführt – eine grundlegende Voraussetzung für die praxisnahe Weiterentwicklung autonomer Fahrfunktionen. So wurden beispielsweise bei den Anfang Mai durchgeführten Tests automatische Spurwechselmanöver auf einer öffentlichen Autobahn erfolgreich erprobt. Über die von Volvo entwickelte Funktion „Cooperative Merging“ konnten die beteiligten Fahrzeuge in Echtzeit Daten untereinander sowie mit intelligenten, in Baustellen installierten IT-Schnittstellen austauschen und sich sicher zwischen den eigens eingerichteten Hindernissen bewegen: vom Einfädeln in den fließenden Verkehr bis hin zur Durchfahrt von Baustellenbereichen.

Zudem wurde die Integration in die städtische Infrastruktur – die sogenannten „Smart Roads“ – getestet. An einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Hamburgs kam ein innovatives Erkennungssystem zum Einsatz, das besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer in einer Entfernung von bis zu 300 Metern erfassen kann. Die Bewegungen dieser Verkehrsteilnehmer wurden in Echtzeit analysiert und an die herannahenden Lkw übermittelt, um die Grenzen deren bordeigener Sensoren auszugleichen. Um kritische Situationen im toten Winkel realitätsnah zu simulieren, wurden auch Crashtest-Dummys eingesetzt, die Kinder darstellten. Dieser Ansatz zielt darauf ab, ein zusätzliches Sicherheitsniveau zu gewährleisten.

Parallel dazu erprobten die Projektpartner die kooperative Nutzung von Ampeldaten. Dank der „Time-to-Green“-Informationen konnten die Lkw ihre Geschwindigkeit frühzeitig anpassen, um Kreuzungen ohne Zwischenstopp zu passieren. Gleichzeitig reagierte die Infrastruktur dynamisch auf das Verkehrsaufkommen: Die Ampelphasen wurden flexibel an die voraussichtlichen Ankunftszeiten der Fahrzeuge angepasst. „Dieser bidirektionale Austausch zwischen Fahrzeug und Infrastruktur hatte erhebliche Auswirkungen auf die Optimierung des Verkehrsflusses, verhinderte unnötige Bremsmanöver und leistete einen spürbaren Beitrag zur Senkung von Kraftstoffverbrauch und Emissionen“, erklärt Tobias Brzoskowski, Geschäftsführer von New Mobility Solutions.

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